Der Baumgesell

Einleitung

Ein mächtiger Baum trägt einen Ast,
ein Ast, auf den ein Baumhaus passt.
Der Baum trägt diesen Unterschlupf
seit letztem Sommer mit Verdruss.
Ein Schrecknis für Passant und Leut´,
In dem Haus lebt Wotan der Unhold.
und jeden Mond im Wotansack,
ein Kindlein steckt gut eingepackt,
auf offenem Feuer durchgegart,
im Wotanmagen aufbewahrt.
Zufrieden dann der Wotan lehnt,
und satt zur Nacht ins Feuer gähnt.

Die Elfen kommen ins Dorf

Seitdem Wotan oben wohnt,
herrscht im Dorfe große Not,
Auch eine große Strafexpedition,
kostete so manchen Sohn.
So sah man blind dem Treiben zu,
doch kam Abends nicht mehr zur Ruh´.
Eines Nachts erscheinen zwei Elfen.
bieten an: “Wir sollten uns helfen.”
beginnt der Elf erst leise zu sprechen:
“Wir wollen unsere Kinder rächen !
Denn Wotan hat nur grob geschätzt,
drei Dutzend auch von uns verschleppt !”
“Das ist auch unser heeres Ziel,
doch dieser Schuft versteht sein Spiel.
Mit seinen Raubfisch großen Zähnen,
die scharfen Pranken nicht zu erwähnen,
Ist uns das Monster überlegen,
alle Mühe scheint vergeben !”

Im Zauberwald

“Auch unsre tapfren Elfenkrieger
lagen mehrfach schon darnieder.
Doch haben wir den Mann entdeckt,
der den Unhold einst erweckt.
In einem Waldgrund fern der Zeiten,
neben vielerlei Sonderbarkeiten,
nach wochenlanger Sucherei,
vernahmen wir laute Zauberei.
Kopf in Deckung bei guter Sicht,
auch das kein lauter Zweig zerbricht,
lauschten wir dem Zwielicht Klang,
verschwörerischem Tobgesang.
Formt er aus Lehm und
braunem Sand eine große Prankenhand.
Ein Symbol für seinen Herrn,
dem er ein Opfer wollt´ beschern.
Die Hand beginnt sich zu bewegen,
sich ins Leben zu erheben !
Mit Furcht vor dem, was sich da bilde,
zogen wir mit Schwert und Schilde,
dem Hexenmanne ins Gefecht.
Damit der Spuk sich ihm rächt.
Mit schneller Hand den Schreck genutzt,
dem Magier die Hand gestutzt.
So konnte er uns nicht verhexen,
mit Sulfurstaub uns nicht benetzen.
Das Handgebilde zerfällt sofort,
manifestiert nicht an diesem Ort.
Und ein Verhör nach Elfenart
enthüllt des Zauberers fahle Saat.
Erzählt er uns das Elend nackt,
Beichtet uns seinen dunklen Pakt.

Der Zauberturm

“Eines Nachts in meinem Turm,
draußen tobt ein wilder Sturm,
pocht mir laut das Eingangstor,
Ich öffne blind, ein Schatten tritt vor.
Finster blickt er auf mich herab,
das Tor zu schließen misslingt mir knapp.

Schon ergreift mich am Arm ein wildes Biest
und zerrt mich in mein Turmverlies.
Seid gewiss ihr Elfen-Helden,
ich stehe fest auf Zauberfelden,
doch was das Tier mir da gebot,
weckt in mir noch jetzt große Not.
Einem Laudanum Traume gleich,
beschwört es aus dem Unterreich,
eine Gruppe schwarzer Wesen,
in keiner Schrift dergleich gelesen.
schaudernd und vom Spuk gebannt,
was der Hades mir gesandt,
lausche ich dem Schauerspiel,
das dem Untier gut gefiel.

Die Wesen wenden sich zu mir,
Ein Anblick voller Grauen schier.
Nähern sie sich mir geschwind,
heißer Atem und kalter Wind.
Halten vor mir auch nicht inne,
flüstern zischelnd,
dass ich nicht entrinne.
Zerlegen mir mein Innerstes,
und tun mir an noch schlimmeres.
Dann als in schwarz ich nieder ging,
fehlt mir, woran als Mensch ich hing,
in tiefer Ohnmacht Meeresgrund
küsst mich fern mit kaltem Mund,
des Wahnsinns Raunen süßer Klang
in kettenschwerem Schlafgewand.

Ich erwache für mich allein,
erfüllt von Ekel meine Pein.
Zuckend durch den Leibe schüttelnd,
mir den leeren Magen rüttelnd,
muß´ mich schwallend übergeben,
In gallenbittrem Krampfwürgbeben.
Mein Turm drückt wie ein enger Sarg,
so fristet sich mein erster Tag.
Auch am Tage Nummer zwei,
in Trauer und mein Geist unfrei.
Erst als der dritte Morgen graut,
besinn ich mich meiner neuen Haut.
Ein Blick aus meinem Turmdachfenster,
dem Morgen weichende Nachtgespenster.
Untastbar meiner Willenskraft,
ist neben mir da aufgewacht,
Der neue Meister in meiner Brust,
Ein Sohn der Begierde voller Blutlust.

Fortan fehlt die Erinnerung,
ich stürze in den Teufelsgrund.
Schmerz und traumlos blind besessen
tauch ich in den See des Vergessens.
Nur einmal im Mond durch Wotangelach,
bin von Kindsbein umgeben ich aufgewacht.

Rückweg aus dem Zauberwald

“Doch erzähl uns Du armer Geselle,
was treibst Du nun an dieser düsteren Stelle ?
Preist dieses Biest hier als Deinen Herrn,
hörst erst auf, als wir´s Dir verwehr´n ?”
“Ich will doch nur meine Seele retten,
Nicht noch weiter an´s Unheil ketten !
Ich wollte Wotan milde stimmen,
und endlich diesem Untier entrinnen.
Doch dank Euch kann ich nun darauf pfeiffen,
denn ohne Hände kann ich nicht greifen.
Dann liegt es nun in Eurer Hand,
daß er die Welt nicht steckt in Brand.
Kann Euch nichts geben auf den Weg
Versucht ihn zu zähmen mit Gebet.”

“So liessen wir den Zauberer fliehen,
Sehr weit wird er nicht mehr ziehen.
Zurück aus seinem Zauberholz,
mit gesenktem Kopf und ohne Stolz,
kehren wir in die Welt zurück,
doch weiter nur ein kleines Stück.
Wotan haust noch auf dem Baum,
doch zerren wir an seinem Saum.”

Ein Treffen im Zwielicht

An andrem Ort und andrer Stelle,
sitzt im Dunklen ein Geselle.
Späht ins Zwielicht, wartet dort,
auf einen Partner seiner Sort.

“Es wurde langsam Zeit Du Dieb
und wenn Dir Dein Leben lieb,
solltest Du nicht lange bleiben,
mir meine Zeit nur kurz vertreiben.”

“Sei mal froh, daß ich noch kam,
mein fetter Wanst beschert mir Gram.
Die reiche Kindskost schmeckt zwar gut,
doch fettet mir den Wanst die Brut.”

“Dacht’ ich´s mir, Du faule Kröte,
bringst nur fettes Balg in Nöte !
Als hätt’ ich Dir nicht aufgetragen,
ein bestimmtes Kind zu jagen.
Es mir noch warm hier zu servieren
voll Inbrunst will ich´s filetieren!”

“Als gäb es keine andren Themen,
musst Du mir damit an den Nerven sägen.
Ich bring Dir schon den kleinen Nichtsnutz,
auch wenn er geniesst besond´ren Schutz.
“Verlier kein Wort, Du Nichtsnutz mehr !
Wenn Deine Hände zum nächsten Mond leer,
wirst Du meine Handschrift lesen!”
und bist Du der Wotan mal gewesen !”

So trottet der Geschmähte dahin,
der Auftrag gibt ihm wenig Sinn.
“Was will er gerade diesen Knaben
Könnte zart’ und fetteren haben.”
Grübelt Wotan ungewohnt,
ob es sich denn wirklich lohnt,
den Druidensohn zum Biest zu schaffen
ihm den Bauch dort aufzuklaffen ?
“Bislang hat sich allürenfrei,
der Druid zu meinem Vorteil
aus meinem Schaffen rausgehalten,
macht nicht mal dann Anstalten,
wenn meine Wut im Dorf nachts waltet,
und die Blutrunst sich entfaltet.”

So zieht Wotan in die Nacht,
dreiviertel Mond vom Himmel lacht.

(to be continued…)

11/02